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Buchstabensuppe...Was liest du?

  • @Assi


    zur Einfuehrung liegen bei mir jetzt die beiden Goethe-Baende der Klassiker-Sammlung aus dem Andreas-Verlag auf dem Schreibtisch, die Gesamtausgabe ist ja noch nicht da. Kann auch noch dauern, ein heute angekommenes Luftpost-Paeckchen hat 3 Wochen gebraucht.
    Beeindruckend die vielseitigen Interessen Goethes, Biologie, Chemie, Bergbau, Orientalistik, Architektur, Philosophie, Altertumskunde usw usf. Alles dabei und ueber alles geschrieben. Daneben noch das Leben, mit 74 war er ja noch auf eine 19jaehrige scharf, bei der da folgenden Auseinandersetzung mit August und seiner Frau haette ich dabeisein moegen. haehae...
    Ja, den Mahomet hat er uebersetzt, heute wird man wohl schwerlich eine Buehne finden dafuer, trotz der eindeutigen allgemeinen Religionskritik wurde er damals aufgefuehrt, ein Beleg dafuer, dass wir heute scheinbar zurueckfallen hinter damals.
    Kollegiale Gruesse

  • Bin zur Zeit bei Jonas T. Bengtsson "Submarino". War erst etwas skeptisch, wieder nen "Gossenpoet" dessen Sterne sich nur Selbstbemitleidend um den eigenen Hintern bewegen ? Gähn... Auf dem Klappentext wird er mit Hubert Selby verglichen...ABER Oho !


    Es geht um zwei Brüder und der Roman gliedert sich in zwei Teile: Nick und Martin...Nick hat mich mit seiner Flennerei nur aggro gemacht.
    Aber der Martin als Alleinerziehender Vater und Junkie ist die Reise in den Kopenhagener Untergrund auf jeden Fall wert !

  • Beeindruckend die vielseitigen Interessen Goethes, Biologie, Chemie, Bergbau, Orientalistik, Architektur, Philosophie, Altertumskunde usw usf.


    hauptsächlich war er von seiner Farbenlehre besessen, damit hat er viele seiner Zeitgenossen dauerhaft genervt. Über Philosophie hat er kaum was gesagt, Kant aber jederzeit geschätzt.Baukunst (Architektur) hat er akriebisch studiert, nicht um zu Bauen sondern um zu Bewundern und im Übrigen war alles in der Natur, von Gesteinsformationen über Blüten bis zum Zwischenkieferknochen beim Menschen von höchstem Interesse.
    Das Alles und noch viel viel mehr ist für mich nicht zu fassen.


    Ja, den Mahomet hat er uebersetzt, heute wird man wohl schwerlich eine Buehne finden dafuer, trotz der eindeutigen allgemeinen Religionskritik wurde er damals aufgefuehrt, ein Beleg dafuer, dass wir heute scheinbar zurueckfallen hinter damals.


    Ich hab auch überlegt, ob das Stück heute in unsrem politischen Kontext aufführbar ist, sicher ist nur großes Geschrei.
    Ich lese es nochmal, denn es sind da interessante Perspektiven sichtbar, die heute gar kein Thema sind, jedenfalls nicht im Westen.
    Können wir bei Gelegenheit ja mal mal besprechen.

  • drei weitere Muggerbücher liegen hinter mir.


    OZZY - sehr intime, schonunslose Biographie des Prinzen der Finsterniss, sehr geil. I am the prince of darkness, do you think my show needs bubbles?


    the Dirt. - wer die Bücher von Ozzy und Lemmy gut fand, wird hier wieder vollstens bedient. Die Geschichte der Band Mötley Crüe. Alle 4 Hauptdarsteller kommen zu Wort plus derer, die (auch) für den Niedergang zuständig waren wie Manager, Labelboss oder Aushilfsmusiker. Hab ich in 4 Nächten weggezogen. Prädikat: unbedingt lesen!


    Gaga - Stefani Habichschonwiedervergessen alias Lady Gaga. Keine wirkliche Bio, mehr ein Sammelsurium diverser Interviews, Artikel, Blogs, ein einziges BlaBla, gaga halt.


    Und nun liegt er vor mir, der Monsterwälzer von, mit und über Keith Richards. Mal sehen.

  • Wenn wir schon bei Musik sind:


    Ronald Galenza & Heinz Havemeister -- Feeling B - Mix mir einen Drink: Interessanter Einblick in die Geschichte von Feeling B und wie daraus Rammstein wurde


    Wolfgang Flür -- Kraftwerk - Ich war eine Roboter: Nur im Original vom Hannibal-Verlag besorgen...in späteren Ausgaben haben Florian Schneider und Ralf Hütter fleißig zensiert


    Lieblingsroman der letzten Jahre:


    Frank Schätzing -- Der Schwarm: Großartig!

  • "Wahre Geschichten um Gräfin Cosel" von Dieter Nadolski. Dolle Zeiten damals! Aber wer wissen will, was schön (naja) ist, der erfährt es in dem Buch. Zwanzig Eigenheiten, die eine Frau haben muss, um als schön zu gelten... Blasse Haut, nicht zu große Brüste (extrem blass natürlich) usw., na, ihr wisst schon. Liest sich locker und interessant! Also alles, nicht nur die 20 Merkmale ;) (ISBN-10:3-910074-04-9)

  • Mit einem schonungslosen, sehr aktualisierbaren Blick auf die schnelllebigen Gefahren des Profifußballerlebens finde ich in der Biografie von Sebastian Deisler alles, was folgende aktuellen Themen berührt:


    Hertha und Geldverwerfung,
    Druck der Medien auf die Star-Hofierung,
    Depression und oder Spielsucht,
    eine Empfehlung für all die, die jeden Tag miterleben und oft verwundert den Kopf schütteln, wie der Kommerz die schönste Nebensache der Welt...unseren Fußball... mehr und mehr kaputt macht... :(

    „Du kannst jeden belügen, aber nicht die Fans.

    Es war mir eine Ehre, danke für die Anerkennung.“


    Damir Kreilach

    Geht nicht, gibt´s nicht!

  • Wer Berlin-Krimis mag, dem sei die Reihe "Es geschah in Berlin (Jaron Verlag)" empfohlen. Angelegt ist das Ganze als Kettenroman. Verschiedene Autoren (Bosetzky, Eik usw.) entwickeln die Figur des Kommissar Kappe weiter. Die Serie spielt im Zweijahresrhythmus im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts und fängt 1910 an (inzwischen sind die bei 1936 glaube ich).
    Alles in allem sicher nicht die Blüte der Kriminalliteratur, aber super zum schmökern und für mich als Exiler immer so ein bisschen wie Heimaturlaub. Mir macht’s Spaß.


    EISERN


  • Können wir bei Gelegenheit ja mal mal besprechen.


    Alle Baende in drei Paketen gut angekommen und ueberhaupt kein Geschrei wegen der Kosten.
    Wie neu, sie standen wohl 50 Jahre ungelesen im Regal, sicher ein haeufiges Schicksal der Goethe-Werke. Die Farbenlehre (2 Baende) durchgeblaettert, ist nichts fuer mich. Ebenso die 3 Baende der Tagebuecher, zu fragmentarisch und ohne Kommentar zum groessten Teil voellig unverstaendlich. Habe also mit "Dichtung und Wahrheit" angefangen, liest sich gut und ist interessant. Ganz besonders natuerlich die ersten Teile fuer einen alten Frankfurter, auch die Wahl Josephs II. sehr anschaulich geschildert.

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  • Ebenso die 3 Baende der Tagebuecher, zu fragmentarisch und ohne Kommentar zum groessten Teil voellig unverstaendlich.


    fand ich auch nur spannend, weil ich erahnen wollte, wie der Typ tickt.Muß ich nicht alles verstehen.

    Ganz besonders natuerlich die ersten Teile fuer einen alten Frankfurter,


    für einen alten Frankfurter läßt er dich natürlich tief blicken. Da hast du ja doppelt Spaß.

  • Nachdem gestern Herr Wolfsburg-Manager den Trainer geschasst hat, ich gerade noch die Aussage von Sebastian Deisler aus dem Buch im Kopf habe:
    "Von ihm hätte ich erhofft, die Wahrheit zu sagen über meinen Wechsel nach München",
    da kann ich nur zeitnah feststellen:



    R.E. starb wegen der Missachtung, nicht aus Unkenntnis seiner Probleme,
    welch ein oberflächliches, $$-Zeichenalter (€), in dem wir missbraucht werden, wir Fans...


    bei Löschung dieser Meinung, meinen Jubel akzeptieren... :opi::opi:

    „Du kannst jeden belügen, aber nicht die Fans.

    Es war mir eine Ehre, danke für die Anerkennung.“


    Damir Kreilach

    Geht nicht, gibt´s nicht!

  • Da ich in letzter Zeit ja etwas öfter zum Lesen komme, kann ich jedem Bill Bryson empfehlen. "A Walk In The Woods" habe ich gard durch. Eine schöne Prise Humor und eine ebenso schöne Prise Wissen.


    Dagegen hat mich Tolkien abgeschreckt. "The Hobbit" ist ein Kinderbuch und das merkt man auch beim Lesen (Spannungsmomente fehlen manchmal) und "Lord Of The Rings" zieht sich janz schön.


    Außerdem sehr zu empfehlen: "My Story" von Paul Gascoigne.

  • Ich lese es nochmal, denn es sind da interessante Perspektiven sichtbar, die heute gar kein Thema sind, jedenfalls nicht im Westen.
    Können wir bei Gelegenheit ja mal mal besprechen.


    Dichtung und Wahrheit, die Tages- und Jahreshefte, Campagne in Frankreich, Belagerung von Mainz, Die italienische Reise sowie die Reisen in die Schweiz habe ich nun durch, ebenso den Mahomet nochmal gelesen. Letzteres ist ja nun wirklich ein Stueck, das den Knaben nicht gut aussehen laesst, eigentlich Islamkritik pur. Natuerlich haette die Intrige des Protagonisten auch in jedem anderen Umfeld stattfinden koennen, aber Voltaire und Goethe haben die Sache schon richtig gesehen und wer Goethe als Mohammedaner vereinnahmen will (Abu Bakr Rieger) hat eben einen Dachschaden. Ebenso haelt sich mein Verstaendnis fuer Katharina Mommsen in Grenzen, die gerade in Bezug auf "Dichtung und Wahrheit" (ihr Vortrag in Clausthal-Zellerfeld) eine besondere Naehe Goethes zum Islam herstellen will, ich habe das nicht erkennen koennen. Gibt eine kommentierte Ausgabe mehr dazu her? Ich habe halt nur die Werke und Schriften um 1960 von Cotta. Da macht sich auch schon das Fehlen einer Ausgabe der Briefe Goethes bemerkbar, muss ich mir dann wohl irgendwann noch zulegen.
    Grad habe ich den Cellini angefangen, sehr kurzweilig, Goethe war lange damit beschaeftigt.

  • Ebenso haelt sich mein Verstaendnis fuer Katharina Mommsen in Grenzen, die gerade in Bezug auf "Dichtung und Wahrheit" (ihr Vortrag in Clausthal-Zellerfeld) eine besondere Naehe Goethes zum Islam herstellen will, ich habe das nicht erkennen koennen.


    eine besondere Nähe zum Islam wahrscheinlich nicht im religiösen Sinne, eher eine Nähe wie einer, der sich intensivst mit fremden Kulturen aus den Tropen Weimars heraus befasst. Am west-östlichen Divan hat er über 5 Jahre gearbeitet und in dieser Lebensphase eine Wagenladung auffindbare Literatur aus dem persischen und arabischen Raum gelesen.
    Ich weiß nicht, was katharina Mommsen erzählt und ich habe auch nicht sämtliche Kommentare meiner Ausgabe durch. Mir sind noch keine Erlaüterungen seiner Nähe zum Islam aufgefallen. Unzweifelhaft übt er (Islam) eine große Faszination auf ihn aus. Ein Zitat hab ich hier "Der Koran ist ein Buch, das uns, so oft wir auch daran gehen, immer von Neuem anwidert, dann aber anzieht, in Erstaunen versetzt und am Ende Verehrung abnötigt. "


    Im Mahomet hab ich nicht viel mehr sehen können, als die Geschichte einer ausgesprochen widerlichen Kriegslist, um den Waffengang zu vermeiden. Daß die Zeugen der Geschichte durch den Trick ihn als Gott-ähnlich sahen und er nur als Betrüger und Blender zum Prophet werden konnte, wäre tatsächlich eine Islamkritik an seiner Wurzel. Glaube nicht, daß Goethe das unterschreibt, ich tus nicht.
    Die Gedichte aus dem Diwan sind möglicherweise nicht leicht zugänglich (ich konnte erst nach den Kommentaren was damit anfangen), aber der Prosateil erzählt leicht über die Welten, die er nur aus Büchern kennt.


    Mit der Schweizreise hast du mir was vorraus gelesen, bei mir ist gerade Goethepause.
    Am meißten überrascht war ich von der Campangne, wußte ja nicht, daß er in einem echte Krieg unterwegs war und nur mit sehr unwahrscheinlichem Glück da wieder raus kam. Die hatten ja schon mit dem Leben so gut wie abgeschlossen.

  • Was etwas schade ist, dass Gregorovius seine "Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter" erst 50 Jahre nach Goethe geschrieben hat statt 50 Jahre vor Goethe. So kommt uns Goethe in seiner Italienischen Reise etwas unwissend vor. Die Reisen in die Schweiz sind eher unbedeutend, die erste sogar langweilig, zum Glueck kurz. Aber eine Frage haette ich noch: In den Tages- und Jahresheften erwaehnt Goehte Ende des 18. Jahrhunderts und noch einmal 1805 eine kritische Bearbeitung des Themas des Auszugs der Kinder Israel aus Aegypten, die er vorhabe. Ist das jemals zustande gekommen?

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