Netzathleten

Buchstabensuppe...Was liest du?

  • Eigentlich will ich euch aber nun doch auch ein Buch so richtig ans Herz legen. Das hat meine Freundin mir empfohlen. Und erst wollte ich nicht so richtig ran, weil ich deren letzte Empfehlung, "Altes Land" von Dörte Hansen, so gar nicht mochte. Aber die nächste Empfehlung, "Unterleuten" von Juli Zeh empfehle ich uneingeschränkt weiter. Ein wahnsinnig kluges Buch. Für Leute, die im Berliner Umland zu Hause sind, vielleicht etwas besser zu verstehen, als für Berliner. Aber: lest es einfach selbst!

    Auch das Hörbuch ist sehr zu empfehlen.

    Übrigends wird/wurde "Unterleuten" vom ZDF verfilmt und kommt wohl nächstes Jahr im TV.

  • Ich kann derzeit das Buch "Das Verschwinden des Josef Mengele" empfehlen. Es wirft eine bezeichnende Schilderung derNachkriegsjahre bis hoch in die 70ziger national und international auf. http://www.aufbau-verlag.de/da…en-des-josef-mengele.html

    UNVEU

    „Vierter zu werden, ist wie vögeln, ohne zu kommen!!!” Das Zitat bleibt bis zum nächsten Aufstieg! MM, übernehmen Sie!
    Torsten Mattuschka - Fußballgott

  • Aber die nächste Empfehlung, "Unterleuten" von Juli Zeh empfehle ich uneingeschränkt weiter. Ein wahnsinnig kluges Buch. Für Leute, die im Berliner Umland zu Hause sind, vielleicht etwas besser zu verstehen, als für Berliner. Aber: lest es einfach selbst!

    wow!  


    Es ist ja schön, dass Du das Buch jetzt auch entdeckt hast.... Allerdings haben wir das schon im Februar 2018 besprochen und empfohlen. Du kannst das gerne in meinem Beitrag #319 nachlesen... ;)


    Die Autorin hat gerade ein neues Buch veröffentlicht, welches erneut bemerkenswert sein soll: " Neu Jahr"... Thema laut der Autorin selbst: Die "permanente Überforderung" des Menschen in unserer Gesellschaft, der Zwang zur permanenten Selbst-Optimierung in der digitalen Welt - mit der Perspektive der ständigen Gefahr des Scheiterns.


    Es liegt bei mir schon rum als Urlaubslektüre. Wenn ich es gelesen habe, werde ich wieder mehr dazu schreiben. Da ihre Bücher sich qualitativ durchaus unterscheiden, bin ich wirklich gespannt angesichts einiger Vorschusslorbeeren, die "NeuJahr" bereits erhalten hat.

  • So, noch keine neuen Beiträge hier. Ich hatte ja noch eine Rezension des Buches “Neu Jahr“ von Juli Zeh versprochen.

    Mittlerweile denke ich, diese Autorin ist eine Wundertüte. Mal genial, mal Opfer ihres eigenen Erfolges.

    Kurz gesagt: Das Buch ist für mich eine Enttäuschung, keine Empfehlung.

    Begründung:

    Es beginnt gut, der Ausgangspunkt der Handlung an einem Neujahrstag in Lanzarote, in einem Spontanurlaub des männlichen Helden mit seiner Family... Es ist wie ein Wettrennen mit der Zeit, als eine Art Parellelmontage aus dem Leben der männlichen Hauptfigur (Henning) in seiner familiären Situation inszeniert.

    Die Grundidee einer Art Deja vue eines Mannes, der durch Zufall einen Schlüsselort seiner Kindheit wiederfindet, erscheint mir extrem unwahrscheinlich und konstruiert.

    Die Form des Schreibens selbst im zweiten Teil des Buches ist zudem extrem anstrengend, da die Autorin die Sicht eines Kindes (Henning als kleines Kind) in einer traumatischen Situation in der Kindheit einnimmt, welches situativ von der Mutter verlassen und mit seiner kleinen Schwester allein gelassen wird und diese unmögliche Situation zu meistern, ja zu überleben versucht. Das ist beklemmend, aber auch sehr anstrengend zu lesen. Da ich die Grundidee sehr fragwürdig fand, hat mich die Lektüre am Ende eher genervt. Ich finde es über-konstruiert, und daher insgesamt unplausibel.

    Danach musste ich mir offen gesagt als Urlaubslektüre eher leichtere - aber urlaubskompatiblere ....- Kost suchen :

    z.B. Jean-Luc Bannalec, “Bretonisches Gold“ oder/und “Bretonische Flut“, aus der schon u.a. von Freilos gelobten Bretagne-Krimi-Serie mit Inspektor Dupin, um mich von diesem Stoff von Juli Zeh zu erholen...

    Trotz des sehr guten Romans “Unterleuten“ sehe ich keinen Grund, die Autorin Zeh wahllos zu hypen. Interessant bleibt sie trotzdem.

  • Tausche einen Beitrag hier gegen 200 in den Politik-Foren - wäre wirklich schön, wenn diesem Faden ähnlich viel Aufmerksamkeit und Hingabe gewidmet werden würde...


    Aber nicht jammern - sondern (selber) machen:

    Underground railroad - immerhin 2017 mit dem Pulitzpreis gewürdigt, würde ich gern zur Diskussion stellen.

    Auf Grund der berauschenden Kritik erworben, habe ich es nach 50 Seiten beiseite gelegt - und weiß noch nicht, ob ich einen zweiten Anlauf nehme(n sollte).

    Die Brutalität, Boshaftigkeit, Menschenverachtung eben dieser ersten Seiten weckt die Lust am Weiterlesen wie die am Weiterwandeln in einem Konzentrationslager.

    Das war mir echt des Bösen zu viel.

    Hat das jemand von Euch (und zu Ende) gelesen?

    Kommt da noch etwas, was das Durschreiten dieser Niederungen lohnt?

  • Tausche einen Beitrag hier gegen 200 in den Politik-Foren - wäre wirklich schön, wenn diesem Faden ähnlich viel Aufmerksamkeit und Hingabe gewidmet werden würde...

    Sobald ICH hier reinmalen und besprechen würde, was ICH so lese, würdest du deine Begeisterung für diesen Faden ganz schnell verlieren. Würde doch auch dieser faden dadurch einen politischen Tatsch erhalten.

    Zur Zeit lese ich "Der Untergang des Abendlandes" von Oswald Spengler. In seinen Zeittafeln hat er auch Zukunftserwartungen dargestellt und auch unsere heutige Situation mit Auflösung der Grenzen und Gesellschaften in sowie unkontrolliertes Einströmen fremder Massen nach Europa vorhergesagt. Allerdings sind wir seinen Berechnungen ca. 200 Jahre voraus.


    Na, wollen wir?

    I'm a fool in search of wisdom...


    Der mündige Bürger ist das Feindbild des Mainstreams

    Vera Lengsfeld

  • ha ha - Guido Reil "Wahrheit oder Ideologie" lass ick jetzt mal aussen vor, siehe beitrag Sonny ... ;)


    aber dat hier macht mir grad viel spaß! :thumbup:^^


    "Ich habe ihn liquidiert. Wenn er etwas will, soll er sich vorher seinen Ausweis umhängen, damit ihn seine Mutter nicht nur an der Blutgruppe erkennt."

    Toni Polster über Jörg Neun

  • Freilos Du meinst sicherlich “Durchschreiten“ am Ende....Ich kann zu dem Buch leider nichts sagen.


    Deinen allgemeinen Appell am Anfang kann ich nur unterstützen, danke dafür!

    “Bretonisches Gold“ fängt etwas sperrig an, wird aber dann immer besser. Das Umfeld ist die Fleur du Sel-Salzproduktion; Dupin ermittelt gemeinsam mit einer sehr fitten lokalen Kommissarin - auch oft im Wettbewerb mit ihr - und wird immer wieder beim Essen gestört...;)

    “Bretonische Flut“ lese ich gerade noch (in den Anfängen) ,spielt im Umfeld von Fischerei und Fischauktion. Kann man halt wirklich gut am Strand , z.B. am Atlantik lesen....


    Ansonsten habe ich noch einen spannenden Tipp bekommen. Ist aber ein spanischer Autor in der Originalsprache. Fernando Aramburu, “Viaje con Clara por Alemania“... Soll sehr witzig und gut lesbar sein, sogar auf Spanisch. Ich nehme an, das gibt es auch in deutscher Übersetzung, auch wenn ich mich im Lauf des Jahres mal an die Originalversion heranwagen will....

    Ernsthafter und auch gut soll sein Roman “Patria“ sein, der im politisch-historischen Umfeld des Baskenlands (und -konflikts) spielt.... Aber das andere klingt erstmal wie ein besserer Einstieg....

  • Tausche einen Beitrag hier gegen 200 in den Politik-Foren - wäre wirklich schön, wenn diesem Faden ähnlich viel Aufmerksamkeit und Hingabe gewidmet werden würde...

    Sobald ICH hier reinmalen und besprechen würde, was ICH so lese, würdest du deine Begeisterung für diesen Faden ganz schnell verlieren. Würde doch auch dieser faden dadurch einen politischen Tatsch erhalten.

    Zur Zeit lese ich "Der Untergang des Abendlandes" von Oswald Spengler. In seinen Zeittafeln hat er auch Zukunftserwartungen dargestellt und auch unsere heutige Situation mit Auflösung der Grenzen und Gesellschaften in sowie unkontrolliertes Einströmen fremder Massen nach Europa vorhergesagt. Allerdings sind wir seinen Berechnungen ca. 200 Jahre voraus.


    Na, wollen wir?

    Ja, wir wollen, warum nicht?! Auch das gehört hier rein, natürlich. Zumal alle Vorschläge und Rezensionen sehr individuell sind. Ein sehr breites Spektrum aller Themen ist doch gut und legitim , warum sollte das ein Problem sein?....Die Auswahl seiner Interessen trifft ja am Ende eh jede(r) selbst. Ich fände Deine Meinung dazu auch spannend.

  • Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

    aus dem Buch....

    Zitat

    2007. Das war das Jahr, als der Kollaps einen Namen bekam. CCD - Colony Collapse Disorder. .. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Bienenzucht auf der ganzen Welt zu einem blühenden Wirtschaftszweig. Allein in den USA gab es 5,9 Millionen Bienenkolonien. Doch die Zahlen sanken sowohl dort wie auch im Rest der Welt. 1988 hatte sich die Zahl der Bienenstöcke bereits halbiert. Das Bienensterben traf viele Orte, Sichuan beispielsweise schon in den 1980er Jahren. Doch erst als es die USA erreichte in einer so dramatischen Weise wie eben in jenen Jahren 2006 und 2007, als Bauern mit mehreren tausend Bienenstöcken im Laufe weniger Wochen von dem Massenschwund getroffen wurden, erst da bekam der Kollaps einen Namen. Vielleicht weil es in den USA geschah, denn zu dieser Zeit war nichts wirklich von Bedeutung, ehe es nicht auch in den USA geschah. Das Massensterben der Bienen in China verdiente keine eigene weltumspannende Diagnose. Später sollte sich alles umkehren. Über die CCD war eine Vielzahl von Büchern geschrieben worden. Ich blätterte darin, fand jedoch keine eindeutigen Antworten. Über die Ursache des Kollapses herrschte keine Einigkeit, denn die eine Ursache gab es nicht. Es waren viele. Als Erstes waren giftige Pflanzenschurzmittel in den Blickpunkt gerückt. In Europa waren im Jahr 20I3 einige Pestizide vorübergehend verboten worden und nach und nach auch auf den übrigen Kontinenten. Nur die USA weigerten sich hartnäckig . Manche Forscher glaubten, die Gifte würden das innere Navigationssystem der Bienen beeinflussen und so verhindern, dass sie wieder zum Bienenstock zurückfanden. Die Giftstoffe wirkten auf das Nervensystem kleiner Insekten ein, weshalb sich viele Wissenschaftler sicher waren, dass eine der Hauptursachen des Bienensterbens in diesen Pestiziden lag. Das Verbot folge einem Vorsorgeprinzip, wurde gesagt. Aber die Forschungsergebnisse waren nicht eindeutig genug und die Konsequenzen eines generellen Verbots zu weitreichend. Ganze Ernten wurden von Insekten zerstört, was eine Nahrungsmittelknappheit zur Folge hatte. Eine moderne Landwirtschaft war ohne Gift nicht möglich. Und die Erfolge des Verbots waren zu geringfügig, die Bienen verschwanden dennoch. 20I4 wurde festgestellt, dass in Europa 7 Milliarden Bienen fehlten. Weil das Gift im Boden gespeichert wurde, behaupteten manche, die Bienen würden weiterhin sterben, weil das Gift sie noch immer beeinflusste. Doch sie fanden nur wenig Gehör Hinzu kamen die extremen Wetterlagen. Allmählich veränderte sich das Klima auf der Welt. Ab dem Jahr 2000 ging es immer schneller. Trockene, warme Sommer ohne Blüten und Nektar töteten die Bienen. Harte Winter löteten die Bienen. Und Regen. Wenn es regnete, hielten die Bienen sich genau wie der Mensch lieber drinnen auf. Nasse Sommer bedeuteten einen langsamen Tod. Ein weiterer Faktor war die Monokultur. Für die Bienen war die Erde eine grüne Wüste. Kilometerweit nur Felder, auf denen immer dieselben Nutzpflanzen angebaut wurden, und ein Mangel an unberührten Flächen. Der Mensch entwickelte sich rasant, und die Bienen kamen nicht hinterher. Und verschwanden. Ohne die Bienen lagen mit einem Mal tausende Hektar bewirtschaftete Felder brach. Blühende Büsche ohne Beeren, Bäume ohne Obst. Plötzlich wurden landwirtschaftliche Erzeugnisse, die früher alltäglich gewesen waren, zur Mangelware: Äpfel, Mandeln, Apfelsinen, Zwiebeln, Brokkoli, Karotten, Blaubeeren, Nüsse und Kaffeebohnen. Im Laufe der 2030er Jahre ging auch die Fleischproduktion zurück, weil die wichtigsten Futterpflanzen für Nutztiere nicht mehr kultiviert werden konnten. Aus demselben Grund mussten die Menschen bald darauf ohne Milchprodukte auskommen. Zur selben Zeit stagnierte das Bevölkerungswachstum. Erst kam es zum Stillstand, dann begann die Kurve nach unten zu zeigen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit vermehrten wir uns nicht mehr. Unsere Art befand sich auf dem Rückzug.