Netzathleten

Buchstabensuppe...Was liest du?

  • "Es geht darin um das, was derzeit falsch läuft im Journalismus und warum gerade Medien, die doch beanspruchen, Mittler der Wirklichkeit zu sein, zu oft "Weglasser" und Ausblender derselben sind und deshalb fatalerweise "selber einen gehörigen Beitrag leisten zur Radikalisierung, die sich vor unseren Augen vollzieht. Wieso begreifen sie nicht, daß sie ohne Unterlaß mit erzeugen, was sie so dröhnend verdammen?""


    :daumen::daumen::daumen:


    ja wieso eigentlich nicht? ich behaupte mal, weil sie gar kein interesse daran haben bzw denken, daß nicht sie es sind, die etwas zu begreifen haben, da sie ja die wahrheit schon wissen...

    "Es reicht aus, Unsinn zu systematisieren, damit er zur Meinung vieler wird."

    Nicolás Gómez Dávila

  • Auch…

    …jetzt erst einmal zu den Büchern, die ich zwischenzeitlich gelesen habe, die aber eher wenig bei mir bewirkten. Die H. Mankell Krimiserie mit Kommissar Wallander habe ich z. B. beendet – insgesamt verbleibt bei mir als Eindruck, dass ich sie selten wirklich spannend fand und in Summe verstehe ich kaum, warum gerade diese reihe offenbar ein Welterfolg wurde.


    Begonnen habe ich die Krimiserie von Elisabeth Herrmann mit dem Anwalt Vernau als Hauptfigur. „Das Kindermädchen“ und „Die siebte Stunde“ hab ich schon durch – und auch hier ist mein erster Eindruck: überwiegend lau und leichte Kost. Allzu gefällig erzählt. Das dritte Buch dieser Reihe „Die letzte Instanz“ habe ich gerade erst angefangen.


    Und aus dem schon oft erwähnten unendlich scheinenden Bücherschrank meines verstorbenen Vaters: „Lohn der Angst“ von Georges Arnaud ist eines der bekannteren Werke dieses Autors (wohl auch verfilmt). Anfänglich noch etwas langsam, kommt die Handlung dann aber recht schnell in Fahrt (durchaus im Wortsinn) und hat mich gefesselt. Kann ich durchaus empfehlen.


    Anders sehe ich es bei Charles de Coster „Die Hochzeitsreise“. Quasi ein Gesellschafts- und Liebesroman. Ganz schön geschrieben, ja. Aber eben sonst eher nicht so meins.


    Und dann wieder so ein Buch – da geht mir nicht in den Kopf, warum er es überhaupt hatte und zudem auch aufhob: Clemens Laar „…reitet für Deutschland“. Wenn es sich bei dem mir vorliegenden Buch auch „nur“ um die Nachkriegsausgabe handelt – „sowas“ hätte ich im Bücherschrank meines Vaters nicht erwartet. Inhaltlich aber durchaus eine Geschichte, die, wenn man alles Heroisierende mal eben wegdenkt, durchaus ergreifend ist.


    Eher lau dagegen von Walter Persich „Die große Nummer“. Etliche Zirkusgeschichten. Durchaus ganz nett, teilweise immer auch mal ergreifend, aber in Summe keine Empfehlung.


    „Von armen Schnorrern und weisen Rabbis – Witze Anekdoten und Sprüche“ – diese im Verlag Volk und Welt Berlin 1981 (demnach also in Ostberlin) erschienene Sammlung mit eben Witzen, Anekdoten und Sprüchen aus dem Leben von (überwiegend osteuropäischen) Juden ist einfach nur schön – und wirklich lustig. Und man muss so oft um die Ecke denken. Ein Beispiel: „Tate, was ist ein Diplomat?“ – „Ein Diplomat ist ein Kaufmann, was mit Politik handelt.“ Ich jedenfalls kann mich bei so viel Doppelbödigkeit in nur zwei Sätzen wegschmeißen vor Lachen. Und hier wie bei der Mehrzahl dieser Witze etc. immer auch mindestens ein zwinkerndes Auge über wesentliche den Juden nachgesagte (oder tatsächliche?) Eigenschaften. Ich finde es jedenfalls köstlich.


    Jetzt komme ich aber zu den drei Büchern die ich seit dem letzten Eintrag hier las, die mich am heftigsten „anfassten“. Zunächst: Alexander Abusch „Humanismus und Realismus in der Literatur“. Da habe ich mich nach dem Lesen dann zunächst mit der Person des Autors befasst – und mich gewundert, wie aus einem solch offenbar in seiner Jugend „geraden“ Typen ein so widerwärtiger Demagoge werden konnte. Aber vielleicht musste das auch so sein, wenn man fast von Kindheit an einer Idee anhängt, die man dann glaubt, selbst umsetzen und entwickeln zu können und stets und nur an ihre Grenzen stößt und erkennen muss, dass sie in dem Sinn, den man selbst im Kopfe hatte, eben auch nicht funktioniert – man das aber weder zugeben darf noch will. Dann klammert man wohl eben… Jedenfalls: die Reden und Aufsätze in diesem Buch sind gar nicht mal so dumm, im Gegenteil. Und auch sprachlich teilweise sogar sehr schön. Und ich war beim Lesen und bin auch jetzt beim „Drüberschreiben“ bereit, Zeitgeist und persönliche Lebensleistung des Autors einzublenden. Aber letztlich fiel mir einfach nur oft die Kinnlade runter, ob vieler Sichtweisen (man kannte solche Typen ja aus seinem eigenen DDR-Erleben – aber der hatte schon eine ganz besondere Schärfe in seiner Argumentation). Und je später in der Zeitfolge seine Rede/Aufsätze, je verhärteter offenbar seine Sicht. Starkes Gruseln – für unsere Generation. Will man nicht (nochmal so) lesen. Deshalb: eigentlich eine Empfehlung an junge Menschen. Wenn sie denn (nach)denken können und wollen.


    Jakob Wassermann „Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens“. Lasst euch vom Namen des Autors nicht ablenken 8o– durchaus interessanter Stoff, manchmal etwas behäbig daher kommend. Aber insgesamt eine klare Empfehlung.


    Klaus Mann: „Mephisto“. Ein Wort reicht eigentlich: Weltliteratur! Den Film (u. a. mit Rolf Hoppe und Klaus Maria Brandauer und mir :saint:) hatte ich vor Jahren gesehen – das Buch ist aber m. E. nochmal besser. Muss man gelesen haben. Wirklich dringende Leseempfehlung also.


    So – genug geschrieben. Irgendwann später dann zu weiteren Büchern.

  • In der Coronzeit sollte man echt lernrn den Fernseher auszuschalten - ja es geht ;)

    ich hab in den letzen Jahren auch wieder angefangen tu lesen aber nicht sone sozialkritischen Sachbücher sondern bin auf

    Krinis von Nele Neuhaus gestoßen,

    gibt da die Pia Kirchhoff Reihe, in dem sie sich auch in den bisher 9 Büchern wirklich von Buch zu Buch bei der Mordkommision weiterentwickelt und auch andere Nebenherstories sich über die Bände sich Stück für Stück doch irgendwie Zusammenhänge aufgedeckt werden,

    man sollte allerdings auch die Reihenfolge einhalten,

    sind allerdings auch ziemlich anfangs unübersichtliche Fälle mit vielen möglichen Verdächtigen, beginnt mit dem Buch

    > Eine unbeliebte Frau <

    und wer danach denkt schau ich mal in der ZDF Mediathek Taunuskrimi schaut verpasst ne Menge, diese Teile sind alle (nur) FSK 12 da sind die Bücher wesentlich detailreicher und sicher ab 18, war nicht nur deshalb entäusch?(

  • Und aus dem schon oft erwähnten unendlich scheinenden Bücherschrank meines verstorbenen Vaters: „Lohn der Angst“ von Georges Arnaud ist eines der bekannteren Werke dieses Autors (wohl auch verfilmt). Anfänglich noch etwas langsam, kommt die Handlung dann aber recht schnell in Fahrt (durchaus im Wortsinn) und hat mich gefesselt. Kann ich durchaus empfehlen.

    geniales buch - schon zu ostzeiten gelesen und immer noch in erinnerung!


    sehr gut auch der französische film von 1953 mit Yves Montand


    http://www.filmstarts.de/kritiken/2513/trailer/19301036.html

    "Es reicht aus, Unsinn zu systematisieren, damit er zur Meinung vieler wird."

    Nicolás Gómez Dávila

  • Mir ist die Tage ein Buch von Horst Evers in die Hände gefallen: Mein Leben als Suchmaschine.

    Bin ja großer Fan von ihm, allerdings nur akkustisch. Auf der Bühne spricht er mich nicht so an, keine Ahnung warum.

    Aber ich habe mich ertappt wie ich das Buch gelesen habe, wie ich ihn hören mag.

    Und das in einem Stück.

    Eine schöne Stunde meines Lebens.

    Da hole ich mir jetzt mehr.

  • Gerade ausgelesen, "100 Gramm Wodka" von Fredy Gareis.

    Er ist im Alter von 2 Jahren mit seiner Familie nach (West-)Deutschland ausgesiedelt und unternimmt 2015, mit Mitte 40, eine 12.000 km lange Reise von West nach Ost durch Russland, auf der Suche nach Spuren seiner Familie. Und er findet viele Spuren.

    Ein kurzweilig erzählter Reisebericht der mir bisher nicht bekannte Dinge aus der Geschichte berichtet, oft witzig ist und auch zum Nachdenken anregt.

    Ein Zitat aus dem Buch:

    "Es ist immer leicht, von außen zu urteilen, weil die Dinge aus der Ferne oft schwarz-weiß sind. Etwas ganz anderes ist es aber, vor Ort zu sein und die Komplexität wie auch die Gültigkeit der anderen Perspektiven zu erkennen, selbst wenn man einigen Standpunkten und Meinungen nicht zustimmen kann."

    LESENSWERT!

  • Nicht aus dem Bereich Belletristik, sondern aus dem Bereich "jüngeres Zeitgeschehen":


    Jürgen Elsässer


    "Kriegslügen - Der NATO-Angriff auf Jugoslawien"


    Homilius-Verlag (2007)


    Eine Thematik, mit der man sich auf Grund der deutschen Beteilgung 1999 definitiv beschäftigen und auseinandersetzen sollte.


    Untersetzen kann man das durchaus mit der WDR-Doku "NATO-Aggression gegen Jugoslawien. Es begann mit einer Lüge."


    Wen das Thema interessiert und wer sich diesbezüglich weitergehend in die Abläufe vertiefen möchte, gebe ich den Tipp, sich mit dem Wirken amerikanischer PR-Agenturen während der Zeit des Jugoslawienkriegs, als auch während des SPD-Wahlkampfs für die Bundestagswahl 1998 (Stichwort Unterstützung der Bundeskanzlerschaft Gerhard Schröders), auseinanderzusetzen. In diesem Zusammenhang lohnt sich dann auch ein Blick auf die Rolle der Medien.

    The way of neoliberalism:


    "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."


    Jean Claude Juncker

  • Mir hatte es politisch den Boden unter den Füßen weggezogen, dass ausgerechnet Grüne und SPD einen Angriffskrieg von Deutschem Boden führen, den es doch nie wieder geben sollte.

    Das war in meiner Vorstellung auch nicht verhandelbar...

  • Wichtig ist in meinen Augen, dass eine Auseindersetzung mit diesem Thema durch die Bevölkerung stattfindet, insbesondere mit den sprachlichen Verwendungen eines Schröders, Fischers oder Münteferings (Stichwort Auschwitz-Vergleich), welche gezielt eine Bereitschaft für diesen völkerrechtswidrigen Einsatz in der deutschen Bevölkerung herstellten . Wenn es schon keine rechtliche Belangung besagter Personen gibt, so sollten sich die Menschen zumindestens wappnend für die Zukunft bilden und wissen, wie ihre Meinungen für geopolitische Machtinteressen (zumal noch vorrangig amerikanische Interessen) manipuliert wurden/werden. Dieser Einsatz ist einer der düstersten Flecken in der Geschichte der deutschen Nachwendezeit. Zumal damit eine entscheidende Grenze gefallen war. Nämlich die, dass wir Deutschen uns an keinem Angriffskrieg beteiligen. 1999 gab es weder einen Angriff auf das Bündnis durch Jugoslawien (Verteidigungsfall), noch eine Legitimierung durch ein UN-Mandat.


    Die Schlussfolgerungen daraus lasse ich mal offen...

    The way of neoliberalism:


    "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."


    Jean Claude Juncker

  • Reklame:
  • Mir hatte es politisch den Boden unter den Füßen weggezogen, dass ausgerechnet Grüne und SPD einen Angriffskrieg von Deutschem Boden führen, den es doch nie wieder geben sollte.

    Das war in meiner Vorstellung auch nicht verhandelbar...

    Wichtig ist in meinen Augen, dass eine Auseindersetzung mit diesem Thema durch die Bevölkerung stattfindet, insbesondere mit den sprachlichen Verwendungen eines Schröders, Fischers oder Münteferings (Stichwort Auschwitz-Vergleich), welche gezielt eine Bereitschaft für diesen völkerrechtswidrigen Einsatz in der deutschen Bevölkerung herstellten . Wenn es schon keine rechtliche Belangung besagter Personen gibt, so sollten sich die Menschen zumindestens wappnend für die Zukunft bilden und wissen, wie ihre Meinungen für geopolitische Machtinteressen (zumal noch vorrangig amerikanische Interessen) manipuliert wurden/werden. Dieser Einsatz ist einer der düstersten Flecken in der Geschichte der deutschen Nachwendezeit. Zumal damit eine entscheidende Grenze gefallen war. Nämlich die, dass wir Deutschen uns an keinem Angriffskrieg beteiligen. 1999 gab es weder einen Angriff auf das Bündnis durch Jugoslawien (Verteidigungsfall), noch eine Legitimierung durch ein UN-Mandat.


    Die Schlussfolgerungen daraus lasse ich mal offen...

    Grundsätzlich stimme ich Dir zu.

    Leider gibt und gab es nicht nur die zwei von Dir genannten Möglichkeiten, um einen Krieg zu legitimieren. Insbesondere das UN-Mandat ist aufgrund der Veto-Regeln nicht besonders effizient.


    Ein hundertprozentiges Richtig oder Falsch gibt es, ebenso leider, in der Politik nie. Es ist ein schmutziges Geschäft (5 Euro in die Kasse!), wo Recht und Gefühl selten Rechnung getragen werden kann.


    Ansonsten danke für den Literaturhinweis.

    Pfeife nie die eigene Mannschaft aus.

    Gehe nie vor Abpfiff aus dem Stadion.

    Mache niemals einen aus dem Team zum Sündenbock.

    Heiserkeit ist der Muskelkater der Unioner.

  • Jupp, es soll ja hier auch keine Diskussion zum Thema stattfinden. Wer sich informieren möchte hat hier einen Ansatz, und mit dem Verweis auf das Wirken von PR-Agenturen (für wen sind diese tätig, wer beauftragt sie, wie groß ist der mediale Einfluss selbiger) im Zeichen von Kriegen eine Möglichkeit hintergründiger selbst zu recherchieren.

    The way of neoliberalism:


    "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."


    Jean Claude Juncker