Netzathleten
  • Bei mir kam die Erkenntnis nach Hälfte 1, neuer Trainer, altes Leid. Wie schon unter mehreren Vorgängern sah man zwar Ansätze und wie die Spielanlage aussehen soll. Aber nach vorn bestimmt der Zufall zu oft unser Spiel. Das ist kein abschließendes Fazit, nach Spieltag 1 wäre das auch vermessen. Nur sieht man direkt wieder was uns die ganzen letzten Jahre fehlt. Einer der das Spiel lenkt und Ideen hat und das konstant. Und ich bin ganz bei dir wenn du sagst mit jährlich steigenden Rekordetat darf man auch langsam Mal erwarten das Fußball gespielt und nicht nur gekämpft wird. Kämpfen und beißen kann man auch für weniger Investitionen haben. Bei dem was die Mannschaft mittlerweile kostet darf ich auch ruhig erwarten das ich hier und dort fein rausgespielte Spielzüge sehen kann. Das Mal einer Mut zum Risiko hat, das fehlt seit Jahren. Und ich erwarte das nicht auf Niveau vom FC Barcelona oder sonstwen, was dann direkt immer von anderen rausgekramt wird. Aber in Liga 2mit dem Etat ist es durchaus legitim auch bisschen Fußball erwarten zu dürfen.

    veritas Da du eher grundsätzliche Sachen ansprichst, ziehe ich das mal in den "Lage"-Thread.
    Die Frage ist, warum die von veritas benannten Defizite bei uns bislang trainer- und spielerübergreifend so auftreten und anhalten ?

    Ein zentraler Grund dürfte darin liegen, dass wir - im Gegensatz z.B. zum CF Barcelona, auch wenn der Vergleich natürlich unsinnig ist - als 1.FC Union Berlin fussballerisch nicht für eine bestimmte, klare , festgelegte Spielidee stehen - nach denen dann auch die Transfers ausgerichtet werden ( bzw. wurden).


    Alle Trainer seit Uwe Neuhaus nehmen Anpassungen vor (mal mehr Richtung Ballbesitz, dann Richtung Umkehrspiel, Pressing), aber es gibt keine klare spielsystematische sportliche Leitlinie, an der sich die wechselndenTrainer orientieren soll(t)en. Die jeweiligen Trainer entscheiden dies eher pragmatisch anhand ihrer eigenen Spielphilosophie - so sie denn eine haben - anhand der zur Verfügung stehenden Spieler, aber auch im Hinblick auf die sich verändernden Spielweisen der Konkurrenz...

    Bei vielen Vereinen gerade in der 2.Liga dominieren taktisch enge Korsette (Beispiel Pressing, Beispiel tief stehende, verschiebende Abwehrreihen) über kreative Spielweisen. Eher technisch orientierte Spieler wie Gogia, F.Kroos, Hartel und Zejnullahu haben es schwer in diesen Systemen. Häufig dominieren defensive Ansätze.


    Die Frage ist allerdings auch , ob eine derartige Festlegung auf ein bestimmtes Spielsystem überhaupt sinnvoll ist. Der Trend in den Trainerligen eins und zwei geht zunehmend dahin, zwischen den Spielsystemen variieren zu können. Dies wird sich noch verstärken. Ein Beispiel dafür ist Borussia Dortmund, die seit dem Abgang von Klopp verschiedene Spielsysteme antesten (nach dem sehr variablen, aber eher ballbesitzorientierten Tuchel wird nun unter Favre sehr elementar erst einmal der Defensivblock zementiert (mit dem Belger Witsel im defensiven Mittelfeld) - sozusagen als Basis für die von Favre anstrebte flexible Art der Offensive und des Umkehrspiels. Was ich damit sagen will? Auch der BVB frickelt an seiner Spielidee herum.


    Übertragen auf Union: Urs Fischer scheint mit seinem Trainerteam auch zunächst mehr an der Priorität einer stabilen Abwehr als Basis für alles andere zu werkeln - dabei ist die Defensive Chefsache trainerintern. Dies muss nicht falsch sein. Grundsätzlich müssen wir aber auch endlich eine offensive Grundidee entwickeln, die über Zufälle und die Verwertung von Standards hinausgeht. Auch ich kann aktuell noch nicht erkennen, wo hier die Reise hingehen soll. Nun ist die "Ära" Fischer allerdings auch erst ein paar Pflichtspielminuten alt.


    Der Offensivkader ist nach dem kurzfristigen Abgang Hosiners noch nicht komplett.

    Der Spielertyp mitspielender Stürmer fehlt nun im Kader, wir haben nur noch den Spielertyp - ich nenne ihn mal so... - kopfballstarker Zielspieler (Polter, Andersson). Das erscheint taktisch doch noch recht gut ausrechenbar...


    Vielleicht weist schon die zu erwartende Neuverpflichtung im Angriff darauf hin, wohin die Reise offensiv gehen soll. Noch ist dies nur bedingt prognostizierbar. Hier sind Oliver Ruhnert und Urs Fischer nun bis Ende August am Zug... Von der Lösung wird vieles abhängen. Wird hier kein anderer Stürmertyp als der schon vorhandene gefunden, bleiben die Alternativen im Angriff überschaubar und der Ansatz im Offensivspiel eher pragmatisch orientiert. Aktuell liegen die Variationsmöglichkeiten im Offensivspiel sehr eindeutig mehr im offensiven Mittelfeld, indem man z.B. die offensiven Mittelspieler als offensive Flügelspieler einsetzt.

    Ob dies für die offensive Durchschlagskraft genügt, an der es schon seit längerem hapert, darf zumindest bezweifelt werden. Hier ist in der Tat noch viel Arbeit zu tun...

  • Das ist mir alles viel zu kopflastig (unabhängig davon, dass ich Tuchel nicht überwiegend ballbesitzorientiert gesehen habe).

    Wenn es nur gelänge, konstant ohne "unforced errors" zu spielen, wäre unabhängig vom System wohl schon verdammt viel gewonnen.

    Und gleichzeitig eine feste Spielidee und grösstmögliche Flexibilität zu fordern, dürfte die Zweite Liga dann doch überfordern.

    Beim fehlenden spielenden Stürmer, Konzepttrainer, bin ich hingegen ganz bei Dir. Wir sollten uns nicht schon bei der Zutatenzusammenstellung immer nur auf Erbsensuppe konzentrieren.


    Eisern

    " Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist das noch lange nicht" (Tante Käthe)

  • Viel richtiges was du schreibst. Aber daran erkennt man auch die "Fehler" der Vergangenheit.

    Erstmal zu der Stürmersache. Ich finde nicht das wir den Typ spielender Stürmer unbedingt brauchen. Wie im Kommen - gehen - bleiben Fred von mir beschrieben kommt es vorallem aufs Mittelfeld an Chancen zu kreieren. Wer dann schlussendlich vorne drin steht ist egal. Du kannst 10verschiedene Stürmertypen haben, wenn derjenige der spielt nicht gefüttert wird bleibt es eben bei Magerkost. Das ausrechenbare kommt eben bei uns eher durchs Mittelfeld.


    Dein Vergleich zum BVB gefällt mir aber. Richtig, die suchen auch nach ihrem System. Aber die formulieren dabei realistische Ziele und sagen nicht wir wollen dir Bayern ernsthaft in Bedrängnis bringen. Wir hingegen stellen uns hin und wollen oben mitspielen, letzte Saison sogar aufsteigen. Ohne dafür Grundlagen zu schaffen. Ohne ein richtiges System. Wir investieren immer mehr Geld und bauen nichts konstantes damit auf. Wir hätten sicher um den Aufstieg mitspielen können. Nur dazu muss man vorher was aufgebaut haben, nicht nur eine Saison lang. Oder nicht nur mit einem Jahr Umbruch. Man könnte zB anfangen, das wenn schon ein Trainerwechsel stattfinden muss, man einen Trainer verpflichtet der in etwa die selbe Spielidee hat und das der Mannschaft einimpft. Und ebenso mit den Spielern. Das holen was für die Idee gebraucht wird. So wird ein Schuh daraus und so wären wir auch um einiges weiter und hätten nicht immer die selben Probleme. Wenn man dazu noch hört, das Neuverpflichtungen teilweise über Jahre gescoutet werden eh sie realisiert werden setzt man das dort ja schon um. Nur hat man dann eben auch das Problem: manche Spieler wurden schon gescoutet unter anderem Trainer und anderem System und sind für das neue System vllt gar nicht geeignet. Dann war das Scouting umsonst oder man druckt den Trainer mit anderem System vllt jemanden auf der gar nicht ins System passt. Unser Norweger sollte ja auch schon unter anderem Trainer kommen.

    Wie dem auch sei, vllt sollte man eben doch langfristig ansetzen und nicht immer im jmd holen der ein anderes System bevorzugt. Und die Agenda Aufstieg solange ruhen lassen bis man ein Fundament hat, dem man dann nur noch den Feinschliff verpassen muss. Das Fundament bildet sich bei uns aber meist erst im Laufe der Saison. Das muss zu Anfang stehen, sonst brauchen wir über ambitionierte Ziele nicht nachdenken. Und vorallem sollte man dem dann auch Mal Zeit geben. Das kann schonmal 1,5-2Jahre dauern eh alles greift wie es soll. 'ne gut eingespielte Innenverteidigung braucht übrigens in etwa auch so lang bis sie sich richtig gefunden hat. Und der ist das System herzlich egal. Bei mir ist eben mittlerweile die Ernüchterung, das man es nicht schafft über Jahre das Mittelfeld punktuell zu verstärken und dort Mal sowas wie Spielkultur zu entwickeln. Das Geld wäre ja eigentlich da, wenn man den Etat sieht, das unsere Anlage eben nicht von Zufall bestimmt wird. Viel Investitionen für wenig Ertrag. Das einzig nachhaltige ist die Infrastruktur in den letzten Jahren.

  • Sehr schöner Saisonstart!!!

    Nun müssen wir, wie man so schön neudeutsch sagt, nur das Momentum nutzen. Unsere nächsten beiden Gegner sind miserabel in die Saison gestartet. Haben beide noch keine Punkte und ich hätte nichts dagegen, wenn dies nach Spieltag Nr. 5 immer noch so wäre...

    Selbst die Pokalauslosung lässt mein Herz höher schlagen. Für mich war die Auswärtsfahrt nach DO vor 2 Jahren ein tolles Erlebnis (um den Einlassstreß kam ich allerdings auch glücklicherweise herum). Tickets sollten hoffentlich wieder machbar sein, Schulferien sind auch, wird also ein Spaß für die ganze Familie :schal:

  • Die Lage stellt sich für mich als sehr seltsam dar.

    Ich habe vor der Saison eigentlich nichts erwartet und werde jetzt irgendwie überrascht.

    Trotz einiger Unzulänglichkeiten merke ich das es ein Konzept und Spielideen gibt. Unser Trainer zeigt sich auf der Bank als sehr gelassen und dosiert sein Auftreten dort sehr, mal sehen wie das die Saison über geht.

    Ich konnte sehr gut den Pauli Trainer beobachten und der raste , vielfach dachte ich der steht kurz vor dem Infarkt . So ab Minute 10 scheint der irgendwelche taktische Mängel in seiner Mannschaft erkannt zu haben, er schrie nur so rum. Mir erschloß sich nicht warum, aber so wird er nicht alt werden.

    Wichtig ist mir das es hinten sehr gut aussieht für Liga 2. Unser Torwart ist wirklich nicht schlecht, Strafraumbeherrschung und im Spiel 1:1 richtig gut, die Abwehr steht und vorn werden sie reingemacht.

    Mehr will man ja nicht und trotzdem fühlt sich alles sehr seltsam , so unwirklich an. Irgendwie denkt man immer das das böse Erwachen irgendwie kommt.....

    E.U.Wassermann

  • ich gehöre zu den leuten, die bisher ein wenig mit der spielweise, die fischer bevorzugt, fremdelten. zu abwartend, zu defensiv.

    nachdem ich bisher alle pflichtspiele gesehen habe, komme ich zu einem neuen fazit:

    die beiden kommen mir in der bewertung der leistungen etwas zu unbeachtet weg, aber wir haben plötzlich eine traum innenverteidigung! jahrelang haben wir stets einen guten innenverteidiger gehabt, aber nichts dahinter. immer war es etwas wacklig, und wehe, der eine gute fiel auch noch aus. das gestern war wie aus einem anderen film: wie eine eins standen die beiden, und nichts, aber auch gar nichts, ließ irgendwelche befürchtungen aufkommen.

    ich möchte das nun noch etwas ausdehnen. den torwart sowie schmiedebach und andersson hinzunehmend, haben wir jetzt fast so etwas wie eine perfekte zentrale achse. eventuell kann zulj sich hier noch einreihen, wenn er richtig angekommen ist, und mal abwarten, was dann mit polter wird, wenn er wieder gesund ist. ob mit polter oder andersson, die aussage bleibt, eine starke achse!

    der zweite pluspunkt, den ich sehe, ist die körpersprache und die ausstrahlung. das war absolut entschlossen und konzentriert. und wir haben nicht gleich nach dem ersten tor verwaltet, sondern weiter gemacht. das sind dinge, die ich in hannover und stuttgart noch sehr vermisst habe, von einigen heimspielen der letzten beiden jahre gar nicht zu reden. auch gegen köln und jena gefielen mir die achse und die körpersprache schon, das halte ich jetzt nicht für eine lediglich gute tagesform.

    es sah noch nicht alles schön aus, aber diese achse und die mentale verfassung des teams sind doch ziemlich vielversprechend.

    Der Produkt schläft nie. Der Produkt wird nie müde. Der Produkt ist immer vor der Kunde in die Arena.
    Der Produkt schießt die Tore schweißfrei.

  • Geht mir ebenso, wassermann . Ich war eher skeptisch einigen Entscheidungen gegenueber, aber im Moment scheint unsere Mannschaft nicht nur stabiler als die letzten Jahre, sondern auch in sich stimmiger. Ruhner hat einige (m.m.n.) erstklassige Transfers getaetigt, grade wenn man Preis/Leistungsmoeglichkeit sieht, Fischer strahlt nicht nur Ruhe aus, sondern schafft es anscheinend auch, seiner Mannschaft eben dieses Gefuehl mit auf den Platz zu geben. Einige Spieler bekommen zwar grade noch Spielzeit um sie zu verkaufen (ebenfalls meine Meinung), aber es fuehlt sich nicht so an, als waeren sie nur zweite Wahl. Auch wenn Transfers (wg Salzburg Vergangenheit) einige Fans verstimmt haben (wtf?) finde ich, dass wir endlich den bequemen Platz im Mittelfeld verlassen, ohne dabei ueberhastet mehr zu wollen als moeglich ist. Ich behaupte, das liegt sehr viel an der Art wie Fischer einfach ist.


    Unterm Strich ein schoener Start. Ich weiss, es ist immer die Angst die eigene Identität zu verlieren, aber ich bin froh, dass wir dieses Jahr nicht nur mit der Einstellung ueberzeugen wollen, sondern man am Kader sieht, dass wir Ambitionen haben. Ich denke, die letzten Jahre hatten wir zwar einen "okayen" Kader, aber irgendwie fuehlt sich das dieses Jahr alles besser an. Ich weiss auch nich. Ich geniess das.


    Als Exiler freue ich mich ausserdem unheimlich auf Dortmund und jetzt schon das letzte Spiel der Saison in Bochum. :P

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